Ich hänge sehr am Thema PUCH, das ist ja nicht zu übersehen. Aber mich bewegt das ganze Thema. Mobilitäts- und Technologiegeschichte. Industriedesign. Doch zur Sachebene kommt freilich auch eine Art der Maschinenverliebtheit.

Den gemieteten Elektro-Golf parke ich bei Klassikertreffen aus Höflichkeit etwas abseits.

Das Automobil ist ein Generalfetisch unserer Kultur. Fetischbeziehung bedeutet, daß Gegenstände eine markante emotionale Zuneigung auslösen können. Ich kenne verschiedene Varianten der ideologisch begründeten Abschätzigkeit gegenüber diesem Thema, die Petrol Heads.

Man kann ja wirkmächtige Aspekte unserer Kultur ruhig ignorieren und sich zugunsten eigener Vorlieben erhaben fühlen. Geschenkt! Ich zähle beispielsweise zu den Benzinbrüdern, obwohl ich selbst kein Auto besitze. Ich finde Elektro-Autos sehr komfortabel, obwohl die in meinen Car Guy-Communities so gut wie umfassend verachtet werden.

Zugegeben, wenn ich etwa ein „Saturday Night Cruising“ der „Alltagsklassiker“ besuche, parke ich den E-Golf abseits. Das ist eine Geste der Höflichkeit gegenüber jenen Benzinbrüdern, die streng Old School sind.

Als Generalist hat man die ganze Liste der W-Codes von Mercedes-Benz weder im kopf noch in der Schreibtischlade.

Es sind die Dogmatiker und die Leute mit unbewältigten Autoritätsproblemen, die gerne einen auf Demokratie machen und dann den Andersdenkenden bei Gelegenheit ein verstecktes Foul reinhauen oder sie offen runterputzen.

Sowas interessiert mich nicht. Ich finde auch Meinungsverschiedenheiten anregend und Dissens ist die Würze in jeder Gemeinschaft. Spätestens wenn Detailfragen auftauchen, merkt man sowieso, was ich gerne betone: Niemand ist alleine schlau!

Als aktiver Automobilpaparazzo fotografiere ich alles, was an interessanten Fahrzeugen am Wegesrand auftaucht. Doch ich weiß nicht immer, was es ist. Jüngstes Beispiel: der alte Mercedes hat Klasse. Aber! Was ist es? Die Alltagsklassiker im Facebook helfen.

Ich meinte: „da gibt’s ja sicher cederer-experten, die den genauer bezeichnen können.“ Micky Tieber erwiderte: „W126 mit weißen Blinkern vorne und Tuning-Rückleuchten.“ Andere ergänzten: „Scheint ein Facelift zu sein mit glatter Seitenbeplankung.“ „Oh, W126 S-Klasse. Tolles Auto, hatte 2 davon. Erstes Serienfahrzeug, für das es ABS, Fahrer-Airbag und auch einen Turbodiesel (300 SD, nur USA) gab.“ „Den 300d gab’s in den USA schon im w116 und auch im c123 🙂“ Es ist eben auch eine Art laufende Wissensarchäologie. [martin krusche]

— [Mythos Puch: Der Motorblog] —